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1. April 2014
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Die 1 Cent Generation

An dieser Stelle einmal ein anderes Thema: Prinzipiell ist es noch keine Unsitte, Texte nach Worten zu bezahlen. Zur Unsitte wird diese Vorgehensweise, wenn sogenannte Auftraggeber auf diversen Texter-Börsen Honorare (Horror passt besser) bieten, die irgendwo unter oder knapp über einem Cent liegen. Ich fühle mich von diesen Auftraggebern nicht angesprochen, ärgere mich allerdings darüber, dass zumeist explizit nach Textern gesucht wird.

 

Sich arm schreiben

Es ist mir durchaus bewusst, dass viele der Autoren (Texter sind sie nicht) ein paar Euro zusätzlich verdienen möchten – ob als Schüler, Student oder Hausfrau. Das ist legitim. Die Frage ist nur: Lohnt es sich wirklich? Dazu eine kurze Rechnung: Schafft man 100 Worte a 1 Cent pro 15 Minuten, ergibt das einen Stundenlohn von satten 4 Euro. Vorraussetzung: Man ist mit dem Thema vertraut und muss nicht recherchieren. Das ist ähnlich unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass sich diese 100 Worte zu einem wirklich sinnvollen und packenden Text zusammen fügen. Setzt man also noch einmal 15 Minuten Recherche an, reduziert sich der Stundenlohn auf 2 Euro. Zu den Verlierern gehören in der Regel beide: Der Autor durch die miese Bezahlung und der Auftraggeber, der zumeist schwammige Texte für seine Internet-Präsenz erhält, die niemanden – wirklich niemanden – vom Hocker reißen. Die seltenen Ausnahmen bestätigen die Regel umso mehr. So gesehen eine absolute Milchmädchenrechnung, verbunden mit dem saturnischen Geiz-ist-geil-Faktor.

 

Mehr Trinkgeld durch Freundlichkeit

Jetzt überlege ich, ob jemand von den Autoren der 1 Cent Generation bereit wäre, für 2 Euro die Stunde arbeiten zu gehen. Zum Beispiel in der Kneipe um die Ecke. Wohl eher nicht. Ich persönlich kenne allerdings keinen anständigen Gastronom, der seinen Aushilfen weniger als 7 Euro pro Stunde bezahlt. Das Trinkgeld exklusive. Freundlichkeit und ein Lächeln auf den Lippen kann sich also im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen. Ein Lächeln beim Schreiben für einen Cent pro Wort hat jedoch keinerlei Auswirkungen auf das Honorar.

 

Mehrwert…?

Dieser Text wäre im übrigen mit der aktuellen Wortzahl 3,23 Euro wert. Die reine Schreibzeit hat etwa 45 Minuten betragen. Die Gedanken zu diesem Thema vorab will ich gar nicht mit einberechnen. Es würde mir selbst als Gelegenheits-Autor die Tränen in die Augen treiben – und reicht nicht einmal, um ein frisch gezapftes Weizen zu bestellen.

 


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